Nachdem ich es in den Staaten in den Regalen hab stehen sehen, und im Internet nachgeschaut hat, wie es damit in Deutschland ausschaut, war es hier meine erste Amtshandlung dem Teil so schnell wie möglich habhaft zu werden.
Entwickelt von Headfirst, ehemals Adventuresoft (Simon the Sorcerer), ehemals HorrorSoft (Elvira 1+2, Waxworks - meine absoluten Lieblingsadventures aller Zeiten), ist dies ein Horror-Action-Adventure in first-person view. Thema ist der namensgebende Cthulhu-Mythos (H.P. Lovecraft), welcher auch schon in games wie der "Alone in the Dark"-Serie, den Point&Click Adventures "Shadow of the Comet" und "Prisoner of Ice", sowie dem noch recht frischen Cube-Game "Eternal Darkness" Verwendung fand.
Ein ausschlaggebendes Element in den Cthulhu-Geschichten und auch in diesem Spiel ist die pure Angst vor dem Unfassbaren, dem was man nicht sehen kann, sondern sich vorstellt, Unfähigkeit zwischen Trugbildern und Realität unterscheiden zu können, bis hin zum völligen geistigen Verfall und eventuell sogar Suizid.
Im Gegensatz zu 90% aller survival-horror-Kost ist dieses game in eine wirklich packende, intelligente und erwachsene Story gepackt, welche mit geschickt eingestreuten Rückblicken, und interessanten Effekten, die den Geistes- und Gesundheitszustand wiederspiegeln (es gibt keinen Lebensbalken etc.) ganz hervorragend präsentiert wird. Der Grafik selbst sieht man zwar die lange Entwicklungszeit an, aber ab und an wird man durch wirklich sehr "schön" gemachte Szenerien überrascht. So sehen die Charaktere allesamt sehr "rund" und glaubwürdig aus, und der Großteil der Texturen hat einen Detailgrad, der für Konsolenspiele ungewöhnlich hoch ist. Der generell recht geringe polycount fällt nicht weiter ins Gewicht, da man in Windeseile in der Story und dem game versinkt, und die Technische Seite ohnehin garnicht mehr aktiv wahrnimmt, und dies ist wohl das größte Kompliment das man einem Spiel machen kann. Btw, sämtliche screenshots die ich gesehen habe, werden der tatsächlichen Qualität nicht gerecht. Das game sieht in Bewegung deutlich besser aus.
Nach einem recht gemäßigten ersten Spieltag (ingame), in dem man als Privatdedektiv im Jahre 1922 einige Nachforschungen in Innsmouth, New England anstellt - vornehmlich Befragung der Einheimischen - geht es danach gleich richtig zur Sache. Man wird über Minuten gejagt, muss seine Verfolger durch mehrere Gebäude und durch Verrammeln von Türen mit Möbelstücken versuchen abzuhängen, während diese einen brüllend, sich gegenseitig koordinierend und scharf schießend verfolgen. Selten war ich selbst so in Panik wie in in diesem game. Unheimlich gut in Szene gesetzt, sehr beängstigend, einfach klasse.
Wie auch in den Geschichten spielt das game eher mit den Gedanken des Spielers, statt ihm splatter vorzusetzen. Man sieht meist nur das Ergebnis von Greultaten, sieht Schatten, hört Geräusche, liest beängstigende Dinge. Dies ist intelligenter Horror at its best.
Als ich an meiner ersten Spielsitzung die Konsole ausgemacht hatte, weil ich merklich verkrampft war, zeigte die Uhr, daß ich 3 1/2 Stunden am Stück gezockt hatte, sowas passiert mir EXTREM selten.
Ich weiß, daß Ihr vor Allem zurückschreckt, was keinen allgemein bekannten Namen, bzw. von einem Euch bekannten Entwickler stammt, aber solltet Ihr nur den Hauch von Interesse an Action-Adventures (spielt sich aber was Perspektive und Steuerung anbelangt wie ein Ego-Shooter), so tut Euch selbst einen Gefallen und zockt das game. Aber denkt dran, wie jedes gute Adventure, oder auch Buch, nimmt sich auch dieses Spiel die Zeit, das Setting zurecht zu legen. Dies ist kein DVD-rein-Serious Sam-like-sofort-action-game. Und Vorsicht hier gibt es Rätsel, die Kombinationsgabe und Nachdenken erfordern, kein 100.000er Aufguß völlig verblödeter Resident Evil- und Silent Hill-like pseudo-Rätsel.
Scheut Euch nicht die durchweg positiven Reviews, wie diesen hier zu lesen.
